Vom 25.-30. August 2020 haben wir den Kongress Zukunft Für Alle durchgeführt. Der Kongress war ein Experiment, weil er innerhalb weniger Monate vom realen großteils in den virtuellen Raum verlegt wurde. Und wir sind froh sagen zu können: es ist geglückt!

Wir setzten auf ein Hybridkonzept: ein Hauptquartier in der Zukunftszentrale (ehemalige Konsumzentrale), wo die Großveranstaltungen live stattfanden, wir als Orgakreis eine Basis hatten und zum Essen, Treffen und Feiern zusammen kamen. Dazu in Leipzig live Kunst- und Kulturveranstaltungen, verteilt über die Stadt aber mit einem Schwerpunkt im Heiter bis Wolkig auf dem Bürgerbahnhof Plagwitz. Bis auf einige Ausnahmen waren alle Workshops digital. Zusätzlich gab es an 10 Orten in Deutschland dezentrale Streamings.

Wir haben während des Kongresses direkt um die 3.000 Menschen erreicht! Es gab über 1.500 Teilnehmer*innen mit Anmeldung. Auf Youtube hatten wir während des Kongresses ungefähr 1.000 Zuschauer*innen, bei Live-Streams um die 150; plus 500 Besucher*innen der Kunst&Kultur-Veranstaltungen und das Orgateam von ca. 100 Personen vor Ort. Das ist ein großer Erfolg!

Für uns ist es wichtig unseren politischen Ansprüchen bei der Umsetzung des Kongresses gerecht zu werden. Das heißt zu aller erst, dass wir den Kongress so partizipativ wie möglich gestaltet haben. Er wurde von einem Organisationskreis von 150 Personen getragen, die sich haupt- und ehrenamtlich eingebracht haben. In so einem gemischten Kreis gibt es logischerweise unterschiedliche Erwartungen, Erfahrungswerte und Kapazitäten. Viel hiervon kann durch eine konstruktive Arbeitsatmosphäre, gute Kommunikation und viel Austausch in einen positiven gemeinsamen Lernprozess fließen. Dies war aufgrund von Corona aber deutlich schwieriger – Menschen hatten weniger Zeit und digitale Treffen bieten viel weniger Raum für Kennenlernen, informellen Austausch und schnelle Problemlösungen. Im Organisationskreiskreis gab es im Frühjahr 2020 einen großen Wechsel und gerade die Menschen, deren Kapazitäten für ehrenamtliches Engagement eh schon begrenzt sind, mussten sich aus dem Kongress herausziehen. Wir freuen uns, dass trotzdem weiterhin so viele Menschen so viel Kraft und Energie in Zukunft Für Alle gesteckt haben. Wir hoffen, dass die meisten eine für sie bereichernde und lehrreiche Erfahrung gemacht haben.

Auch die Wahl der Technologie für die Umsetzung haben wir bewusst gewählt. Es wäre wahrscheinlich technisch einfacher gewesen, den Kongress mit Zoom oder einem ähnliche großen und bedienungsfreundlichen Tool zu organisieren – aber Zoom ist eine propritäre Software und steht nicht für unsere Utopie. Daher haben wir uns entschieden, als Videokonferenz-Tool die Open-Source-Software „BigBlueButton“ zu nutzen und dafür eigene Serverkapazitäten aufzubauen. Die Konferenzplattform Venueless ist ebenfalls Open Source. Es war eine Herausforderung, die verschiedenen Tools miteinander in Einklang zu bringen und mit unseren begrenzten Kapazitäten alle Probleme schnell zu beheben. Wir erkennen an, dass wir einige Zugangshürden übersehen haben: Für digitale Kongresse sollten alle digitalen Tools von Anfang an verschränkt konzipiert werden, frühzeitig fertig sein und getestet werden. Und ganz wichtig: Die Zugänge der Teilnehmenden (die sogenannte „user experience“) muss konsequent durchdacht werden.

Insgesamt bietet ein digitaler Kongress viel weniger gemeinsame zentrale Momente. Dadurch haben verschiedene Menschen sehr unterschiedliche Kongresserfahrungen gemacht. Viele der Teilnehmer*innen freuten sich über die guten Zugänge und technische Umsetzung, andere haderten mit der Technik, wurden aber dann von unserem Support-Team gut beraten und einige waren auch gefrustet, aufgrund technischer Hürden. Diese Unterschiedlichkeit der Wahrnehmung zeigen auch die ersten Ergebnisse der Teilnehmer*innen-Umfrage.

Im Konzeptwerk setzen wir uns als Organisation seit mehreren Jahren mit Diskriminierung auseinander. Wir sind in einem längerfristigen Lernprozess, wie wir inklusive und diskriminierungssensible Veranstaltungen organisieren können und was wir dafür verändern müssen. Wir würden gerne politische Arbeit mit und für alle machen statt – zugespitzt gesagt – nur für weiße Akademiker*innen. Auch wenn wir schon Fortschritte gemacht haben, so ist da noch ein langer Weg. Einerseits sprachen auf dem Kongress gerade auf den größeren Veranstaltungen Menschen mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionierungen. Andererseits war der Kongress in der Vielzahl der Sprecher*innen und Besucher*innen mehrheitlich weiß und akademisch geprägt. Das haben Teilnehmer*innen auch sehr unterschiedlich wahrgenommen – wohl je nachdem, welchen Ausschnitt des Kongresses sie erlebt haben.

Wir werden die Teilnehmer*innen-Umfrage bis Frühjahr 2021 noch im Detail auswerten und gegebenenfalls weitere interessante Ergebnisse hier veröffentlichen.

Für weitere Eindrücke: Bilder und Videos sind hier zu finden. Den Pressespiegel findet ihr hier.

Wir möchten uns bei den über 60 Partnerorganisationen bedanken, die den Kongress mit möglich gemacht haben. Und natürlich besonders bei allen Menschen, die in den letzten Monaten so viel Zeit und Energie in den Kongress gesteckt haben.

Herzliche Grüße,
Anne Pinnow, Kai Kuhnhenn, Kate Cabanova, Nina Treu & Ronja Morgenthaler,
das Utopieteam des Konzeptwerk Neue Ökonomie

im November 2020

PS: Zur Vertiefung der Themen empfehlen wir weiter unser Buch „Zukunft Für Alle – eine Vision für 2048.”

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